Besuch einer Kaffee-Rösterei

Kaffeejunkies aufgepasst. Anlässlich des „Tag des Kaffee’s“ am 01.10. haben wir der Rösterei unseres Vertrauens einen Besuch abgestattet!

Direkt zu Beginn stellt Inhaber Klaus Langen Selina und mir eine Tasse entkoffeinierten Kaffee auf den Tisch. Wir sollen probieren – und zwar ohne Milch und ohne Zucker, um den unverfälschten Geschmack des Kaffee’s zu genießen. Für mich kein Problem, für Selina als „Nichtkaffeetrinker“ schon eine ganz schöne Herausforderung. Während wir den – meiner Meinung nach – eher „schwachen“ Kaffee trinken (Selina schmeckt er sehr gut!) erzählt uns Herr Langen mehr über fairen Anbau, seine Rösterei und die richtige Röstung für jede Maschine.

Wurden Sie als Kaffeejunkie geboren?
Ich habe den „Kaffee quasi mit der Muttermilch aufgesogen“. Schon früh wurde mir bewusst, dass ich den Betrieb meines Vaters später übernehmen würde. Meine endgültige Leidenschaft für Kaffee entfachte aber erst, als ich mit Mitte 20 ein Jahr in Honduras gelebt habe, wo ich viele Einblicke in diverse Kaffeeplantagen bekommen und viele wertvolle Kontakte knüpfen durfte. Ich habe gelernt, dass es extrem wichtig ist, selbst vor Ort zu sein, um Beziehungen zu pflegen und um zu wissen, was vor Ort passiert. Genau das ist auch der Grund, warum wir das Projekt Tatico ins Leben gerufen haben.

Was ist das Projekt Tatico?
Es geht auch bio und fair, sprich ökologisch, nachhaltig und menschenwürdig. Gemeinsam mit dem Kolping-Diözesanverband Paderborn arbeiten wir seit 1994 eng und partnerschaftlich mit den Kaffeebauern und Kaffeekooperativen in verschiedenen Ländern Lateinamerikas zusammen – hauptsächlich Honduras. Hier unterstützen wir die Menschen vor Ort beim Aufbau nachhaltiger Strukturen. Von der Kooperation profitieren beide Seiten. Vor allem für die Kaffeeproduzenten haben sich durch die wirtschaftliche Stabilität neue Möglichkeiten ergeben. Investitionen in Wohnhäuser, ein besserer Zugang zu medizinischer Versorgung, die Steigerung der Mobilität, die Ermöglichung von Bildung für die Familie und die Förderung der Ernährungssouveränität sind direkte Ergebnisse unserer Zusammenarbeit.

Und was können wir als Konsumenten tun, um die Menschen vor Ort zu unterstützen?

Einfach mal nachdenken, ob es der billigste Kaffee aus dem Discounter sein muss oder lieber eine fair produzierte und gehandelte Sorte. Denn in einer solchen Tasse Kaffee steckt dann sicher deutlich mehr „amor und entusiasmo“ – weil sie die Welt für die Kaffeebauern und ihre Familien in Honduras und anderen Anbaugebieten ein bisschen besser macht.

Während wir uns über das Projekt Tatico und weitere Anbaugebiete unterhalten führt er uns durch seinen Betrieb. Wir kommen an der Röstmaschine vorbei und fragen direkt nach.

Gibt es unterschiedlich Röstverfahren? Wie rösten Sie die Mischungen?
Es gibt keine unterschiedlichen Röstverfahren, aber verschiedenen Röstprofile. Hier entscheiden Temperatur und Zeit über Geschmack & Aroma. Wir rösten unseren Kaffee in der Regel 16 – 20 Minuten zwischen 200-220 °C und geben ihm dadurch die Zeit, das Aroma perfekt zu entfalten. Durch die Hitze verändert die Kaffeebohne ihr Gewicht und Volumen und dadurch auch den Geschmack. Nach der Röstung gelangt der Kaffee in ein Kühlsieb, damit der Kaffee abkühlen kann, dadurch nicht „nachröstet“ und seinen Geschmack weiter verändert. Im Anschluss werden die Farbwerte des Kaffee’s gemessen und mit vorherigen Röstungen verglichen. Wenn sie identisch sind, lassen wir den Kaffee mindestens einen Tag ruhen, bevor wir ihn probieren. Wenn der Kaffee die Geschmacksprobe bestanden hat, wird er verpackt.

Dazu muss man sagen, dass der Geschmack des Kaffee’s nicht immer gleich ist: Er ist abhängig von der Erntezeit und vom Röstprofil. Je nach Saison nutzen wir für die gleiche Rohbohne ein anderes Röstprofil, damit er immer gleich schmeckt. Wenn wir uns nicht genau an das Röstprofil halten und den Kaffee z.B. länger rösten, entscheiden Sekunden über den Geschmack! Deshalb muss man bei der Röstung gut aufpassen.

Es gibt spezielle Mischungen für Filtermaschinen, Vollautomaten oder Siebträgermaschinen. Wo liegt der Unterschied in der Röstung? Wie unterscheidet man die einzelnen Mischungen?
Was mir sehr am Herzen liegt: Die Konsumenten sollten die richtige Röstung für die unterschiedlichen Maschine nutzen, denn genau deswegen werden unterschiedliche Röstungen angeboten.

“Eine Filterkaffeemischung oder Espressomischung für einen Vollautomaten zu nutzen, würde den Geschmack verfälschen, wenn nicht sogar verderben – genauso auch umgekehrt.”

Filterkaffee wird in der Regel heller geröstet (d.h. ca. 16 Min.), da das Wasser sehr lange mit dem Kaffeemehl in Verbindung ist und ausreichend Zeit hat, die Aromen freizusetzten. Die Röstung für eine Siebträgermaschine hingegen wird deutlich dunkler geröstet (ca. 18 Min.), denn bei dunkel gerösteten Kaffee lösen sich die Aromen deutlich schneller. Das ist auch gut so, denn beim Siebträger wird das Wasser mit Druck durch das Kaffeemehl gejagt und pustet so quasi die Aromen aus der Bohne. Die Röstung für den Kaffeevollautomaten liegt dazwischen (ca. 17 Min.).

Siebträger vs. Kaffeevollautomat? Was ist in Ihren Augen wirklich besser?
Keine Frage: der Siebträger! Hier lassen sich die einzelnen Komponenten besser steuern. Beim Kaffeevollautomaten hingegen läuft alles sehr automatisiert auf Knopfdruck ab, zudem ist der Apparat aufwendiger zu reinigen. Aber wenn sich jemand eine Siebträgermaschine nach Hause holt, dann auch eine Richtige – Stichwort: Statussymbol. Ich persönlich bin aber auch ein großer Fan von der klassischen Filterkaffeemaschine, da der Filtervorgang bessere Nuancen des Kaffees freisetzt.

Was ist eine gute Kaffeemaschine?
Witzig, dass gerade wir hier zusammen sitzen, aber eure Filterkaffeemaschine – die „Café Caprice“ – brüht mit ihrem einzigartigen Brühverfahren richtig guten Filterkaffee. Erst unmittelbar bevor das Wasser den Siedepunkt erreicht, wird der Brühvorgang gestartet. Danach ergießt sich das Wasser in optimaler Temperatur – wie beim klassischen Handaufbrühen – in einem Schwall über das Kaffeepulver. Dadurch werden Gerb- und Bitterstoffe reduziert und das Aroma kann sich voll entfalten. Damit lässt sich wirklich sehr guter Filterkaffee kochen.

Wir bedanken uns für die spannenden Einblicke und machen uns für einen Cold Brew Coffee auf den Weg in die Kaffeemacherei (Outlet der Rösterei) direkt in der Nähe. Während wir unseren Cold Brew Coffee trinken und einen leckere Blaubeer-Muffin genießen, philosophieren wir über kuriose Kaffeetrends wie Pink Latte oder Bulletproof Coffee.

Mehr dazu könnt ihr im nächsten Blogbeitrag lesen.

 Die Rösterei Langen Kaffee wurde 1959 von Günther Langen unter dem Namen Güla Kaffee gegründet. 1997 übernahmen Sohn Klaus Langen den Betrieb und aus Güla Kaffee wurde Langen Kaffee. Lange Zeit war diese kleine Rösterei mit 8-10 Mitarbeitern (je nach Saison, Hauptsaison von Oktober bis April) die einzige im Sauerland, doch mittlerweile gibt es zahlreiche weitere. Bei ihm bekommt ihr mehr als 30 verschiedene Kaffees, sortenrein oder auch als Mischung.

Schaut mal vorbei: www.langen-kaffee.de